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Sonntag 20 Mai 2012

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Berlin
Retrospectiva

    Das Mysterium „La Malinche“

    Montag, 8. Juni 2009 Vortrag Privatdozentin Dr. Barbara Dröscher eine Veranstaltung im Rahmen unserer Reihe „ Berühmte Frauen Lateinamerikas“
Keine andere Frauengestalt spielt in den Darstellungen der Eroberung Mexikos eine so zentrale Rolle wie La Malinche. Dennoch ist – wie Frau Dr. Dröscher darlegte -
nicht viel historisch Belegtes über die Figur Malinche bekannt. Die wenigen gesicherten Daten beruhen im wesentlichen auf dem Bericht des Zeitzeugen und Mitstreiters von Cortés, Bernal Díaz, der sie in seiner “ Verdadera historia de la conquista de la Nueva España“ erwähnt und den Kodizes, die Malinche in ihrer Tätigkeit als Übersetzerin abbilden. Als sicher gilt wohl lediglich, dass Malinche im Jahre 1519 in einer Gruppe mit weiteren weiblichen Personen dem Eroberers Mexiko Cortés übergeben wurde, als dieser in der Stadt Tabasco eintraf. Sie war für ihn als Übersetzerin/Vermittlerin tätig und hatte wohl auch ein Verhältnis und einen Sohn mit ihm. Genauso unsicher, wie man sich über die Herkunft von Malinche ist, verliert sich die Spur ihrer Person nach 1526 wieder.
Frau Dr. Dröscher hob in ihrem Vortrag hervor, dass die verschiedenen mythologischen Deutungen, die die historische Gestalt Malinche umgeben, meist nicht die Gegebenheiten zur Zeit der Eroberung wiederspiegeln, sondern im Kontext der jeweiligen zeitgenössischen Diskurse der Jahrhunderte stehen.
Nachdem das Bild von Malinche lange Zeit mit dem Makel des Verrats behaftet war, ist diese Frauengestalt seit den siebziger Jahren des XX. Jahrhunderts jedoch in der mexikanischen und der Chicana-Literatur einer deutlichen Revision unterzogen worden, die schließlich auch in der Kulturtheorie ihren Niederschlag fand. Sie stellt seitdem eine Referenzfigur in Fragen des Geschlechts, der Ethnizität und der Interkulturalität dar. Dies macht ihre Figur für die aktuellen kulturellen Debatten so attraktiv.
Als Übersetzerin und Urmuttermythos der Mestizsaje und Grenzgängerinnen dient La Malinche als Referenz im postkolonialen Diskurs. Sie beflügelt nicht nur in Mexiko die Phantasie der Schriftstellerinnen und Schriftsteller und Kulturtheoretiker, sondern sie ist auch zur Figur im Kulturaustausch unserer Länder geworden, seit der Regisseur Kresnik in Mexiko sein Stück „La Malinche“ inszenierte.
Die anschließende lebhafte Diskussion kreiste u.a. um Fragen der historischen Belegbarkeit der Figur von La Malinche, ihre Bedeutung für die kulturelle Identität sowie um die „Gretchenfrage“ nach dem Bild als Verräterin oder kulturelle Mittlerin/Grenzgängerin.
Unser Dank gilt Frau Dr. Dröscher für den lehrreichen Vortrag und der mexikanischen Botschaft für ihre freundliche Kooperation samt „vino de honor“, bei dem die aufgeworfenen Fragen heftig weiter diskutiert wurden.

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