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Sonntag 20 Mai 2012

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Berlin
Retrospectiva

    Soziale Bewegungen in Chiapas und Oaxaca

    Montag, de 19. Oktober 2009 Soziale Bewegungen und regionale Selbstbestimmung in Chiapas und Oaxaca / Mexiko Vortrag Prof. Marco Estrada Saavedra, Colegio de México
Im Bundesstaat Chiapas begann die zapatistische Bewegung auf der Grundlage des ersten Abkommens von 1996 mit der Regierung ĂŒber die Rechte und die Kultur der indigenen Völker die von ihr geforderte Autonomie und ihr Konzept von Basisdemokratie im Bundesstaat in die Tat umzusetzen. FĂŒnf Regionen (Caracoles) werden dort jeweils durch „RĂ€te der Guten Regierung“ selbstverwaltet. Prof. Estrada beschrieb die Formen der Kontrolle in den Gebieten durch die Zapatistas, die Ablehnung von Maßnahmen der Bundes- und Landesregierung, EngpĂ€sse in der Verwaltung infolge geringer Ausstattung mit finanziellen Mitteln sowie Reibungen und Konflikte mit nicht-zapatistischer Bevölkerung und Strömungen in der Region. Insgesamt vermittelt er das Bild einer aktuell geschwĂ€chten Bewegung. Hinsichtlich Oaxaca erlĂ€uterte der Referent den Kontext, innerhalb dessen die Bewegung der Versammlung der Völker Oaxacas (APPO) 2006 entstand (Forderungen der Lehrergewerkschaften), die Mobilisierung der Bevölkerung gegen Polizei- und Staatsgewalt und die Schaffung einer „Volkskommune“, die sich selbst organisierte und Widerstand gegen Polizei und MilitĂ€r leistete. Durch Besetzung und Kontrolle öffentlicher Medien (TV) konnte sich die Bevölkerung mit ihren Grundanliegen artikulieren und einen hohen Identifizierungsgrad erreichen. Der Einsatz der staatlichen Gewalt gegen den Aufstandes und heterogene Interessen innerhalb der APPO selbst haben die Bewegung aber zurĂŒckgedrĂ€ngt.
Der Vortrag gab Anlass zu einer sehr lebhaften und kritischen Diskussion. Eine Reihe von Teilnehmern, darunter aus SolidaritÀtsgruppen mit aktivem Engagement zugunsten der zapatistischen Bewegung und der Bevölkerung in der Region, kritisierten ein unausgewogenes Bild des Vortrages, der die Anliegen der zapatistischen Bewegung nicht angemessen zum Ausdruck gebracht habe, die Repression durch paramilitÀrische Gruppen gegen die Zapatisten, die PrÀsenz von MilitÀr in der Region, Morddrohungen gegen vor Ort tÀtige SolidaritÀtsgruppen etc. nicht behandelt habe. Kontrovers wurde aber etwa auch die schwache Rolle der Frauen in der Zapatismus-Bewegung diskutiert. In Oaxaca sieht die Verfassung vor, dass die Bevölkerung ihr Zusammenleben nach indianischen Rechten gestalten kann.

Die APPO wird dort trotz Ausscheren der Lehrergewerkschaft nach Ansicht von Prof. Estrada weiter eine wichtige Rolle in der öffentlichen Meinungsbildung spielen.

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