Amazonien zerstört, Klimawandel verschärft – was tun die Kommunen? Bericht zur Veranstaltung von Peter Schrage Aden

Großes Interesse

 60 % aller Arten sind in den letzten 48 Jahren verschwunden, titelt die TAZ am 2.11.2018. Besonders dramatisch sei der Rückgang in den Regenwaldregionen. 2017 war das Jahr mit dem zweithöchsten Verlust an tropischen Regenwäldern. Besonders stark hat die Entwaldung in Brasilien zugenommen, Situation, die sich unter dem neuen Präsidenten noch dramatisch verschärfen dürfte. Die indigene  Bevölkerung war noch selten so bedroht wie heute.

Thomas Brose, Klima-Bündnis

Auf Einladung des Lateinamerika-Forums Berlin e. V., Misereor, des Forums Umwelt und Entwicklung, Klima-Bündnis und zahlreichen weiteren Organisationen waren am Donnerstag nahezu 200 Menschen in das Rathaus Charlottenburg gekommen. Die Moderation hatten Dr. Luiz Ramalho und Dr. Heidi Feldt.

Begrüßt wurden sie vom Stadtrat für Stadtentwicklung, Bauen und Umwelt, Oliver Schrouffeneger, der auch für das Programm BNE – Bildung für Nachhaltige Entwicklung – im Bezirk verantwortlich zeichnet. Stadtrat Schrouffeneger gab einen kleinen Einblick zu dem, was der Bezirk zum Klimaschutz und Fairen Handel leistet. So gäbe es endlich feste Stellen für den Klimaschutz, Fairer Handel würde konkret in Verträgen festgeschrieben und der Bezirk kaufe gerade 1.500 fair hergestellte Fußbälle, die an Schulen abgegeben würden.

Vor 27 Jahren war das Klima- Bündnis der europäischen Städte mit den indigenen Völkern Amazoniens im gleichen Saal aus der Taufe gehoben, darauf verwies Gründungsmitglied Clarita Müller-Plantenberg. Inzwischen sind es 1700 Kommunen und Regionen in Europa, in denen über 80 Mill. Menschen leben, so der Geschäftsführer Thomas Brose aus Frankfurt a.M. . Diese engagieren sich ganz unterschiedlich. So hätten die Österreicher in Kooperation mit brasilianischen indigenen Gemeinschaften geholfen, ein Stück Regenwald dauerhaft unter Schutz zu stellen, das 1,5 Mal so groß sei wie Österreich selber.

Diana Sietz, PIK

Nie seien die „Wächter der Wälder“  bedrohter gewesen als heute. Die Zahl der Morde an Umweltschützer und Indigenen steigt weltweit, die meisten verzeichnet Amazonien.

Wie bekommen wir das Klima-Bündnis in die Öffentlichkeit? war die Frage, die die Veranstalter an die Politik und die Verwaltung richteten.

Dass die Lage in Amazonien schwierig, aber noch nicht aussichtlos sei, verdeutlichten Dr. Diana Sietz vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK).  Sietz schilderte in eindringlichen Worten, dass wir uns auf einen Punkt zubewegen, ab dem eine Umkehr nicht mehr möglich sei, etwa weil die natürlichen Wasserkreisläufe unterbrochen würden. Und wie wichtig es sei, die notwendigen Maßnahmen ab sofort zu ergreifen. Dr. Thomas Fatheuer, Vorstand der Kooperation Brasilien (KoBra) reflektierte den Wahlausgang in Brasilien in seiner Bedeutung  für Amazonien und seine

Thomas Fatheuer li und Moderator Luiz Ramalho

Bevölkerung. Sollten die Ankündigungen des kommenden Präsidenten Wirklichkeit werden, so stehe Schlimmstes für die Region zu befürchten, angefangen bei der Aufhebung indigener Schutzgebiete für Agrobusiness und Bergbau und Legalisierung des bislang illegalen Holzeinschlags.

Anika Schroeder, Misereor

Prägnant auf den Punkt brachte es Anika Schroeder von Misereor, als sie Papst Franziskus zitierte, der für den Herbst 2019 zu einer Synode in Amazonien einlädt. An Amazonien entscheide sich die Zukunft der Welt. Wenn es den `Menschen guten Willens´ nicht gelänge, dieses Biotop und die in ihnen lebenden Menschen zu retten, so der Papst in seiner Schrift Laudato si, gäbe sich die Menschheit selbst auf. Die Synode wird zeitgleich mit der Internationalen Klimakonferenz der UN 2019 stattfinden, die in Brasilien geplant ist. Ob sie auch dort stattfinden wird? Bolsonaro spielt mit dem Gedanken, das Pariser Klimaabkommen zu verlassen.

Dr. Heidi Feldt, Moderatorin und entwicklungspolitische Beraterin, berichtete von der Erarbeitung neuer Strategien für den Schutz indigener Gebiete durch die Unterstützung von Gemeinden und durch juristischen Beistand durch COICA, dem Dachverband der Indigenen Amazoniens.

Großes Interesse hatte 2018 die internationale Klima-Konferenz der Bürgermeister und Regionen in San Franzisko gefunden, an der auch viele indigene Organisationen teilnahmen. Aus Deutschland unter anderem der Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Thomas Brose sieht unter der nationalen Ebene heute oft mehr Chancen auf Umsetzung von Maßnahmen gegen den Klimawandel. Clarita Müller-Plantenberg verwies auf die Verankerung der „Mutter Erde“ in den Verfassungen von Bolivien und Ekuador.

Alternativen gesucht

In der anschließenden Diskussion wurden verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie das Wissen gebündelt und die Mitgliedschaft Berlins im Klima-Bündnis sichtbarer und nutzbarer gemacht werden kann. Anna Schüler berichtete über ihre Arbeit als Fachpromotorin für Klima- und Ressourcengerechtigkeit, Cordine Lippert, Klimaschutzbeauftragte der Landeshauptstadt Potsdam, skizzierte das Engagement der Stadt im Rahmen der Klima-Bündnis-Mitgliedschaft, und ein Vertreter der NGO INFOE stellte die Klimapartnerschaft der Stadt Köln mit indigenen Gemeinschaften Perus vor.

Ein Offener Brief an den Regierenden Bürgermeister und Senat zum Klimabündnis wurde vorgestellt, der dazu auffordert, einen Ort in Berlin zu schaffen, an dem dieses erlebbar wird. (siehe Anlage). Auch wurde der Wunsch an die Parteivertreter herangetragen, das Thema Klima-Bündnis und Amazonien in den anlaufenden Europawahlkampf einzubeziehen. Es bedürfe einer europäischen Antwort auf die Herausforderungen, die heute benannt wurden. Europa sei ein Hauptabnehmer von Soja, Fleisch, Aluminium, Niob, Gold und Holz aus Amazonien, dafür wird der Wald abgeholzt. Wir hätten hier eine Bündnispflicht gegenüber den Regenwaldbewohnern zu erfüllen.

Initiatoren Peter Schrage-Aden und Werner Würtele im Gespräch mit Daniel Buchholz (SPD)

Die Abgeordneten Daniel Buchholz und Georg Kössler sagten zu, im Abgeordnetenhaus für mehr Aufmerksamkeit für das Klima-Bündnis in Berlin zu werben.

Jürgen Maier

Jürgen Maier vom Forum Umwelt und Entwicklung wies in seinen Ein- und Aussichten zum Schluss der Veranstaltung in eindringlichen Worten auf unsere Mitverantwortung für die Zerstörung der Regenwälder über unsere unersättliche Nachfrage nach Rohstoffen hin. Die Pro-Kopf-Emissionen belaufen sich in Brasilien auf 2,5 t, in Deutschland dagegen auf über 10 t.

Der Abend konnte nur ansatzweise die angesprochenen Themenkreise behandeln. Vertiefungen bleiben künftigen Veranstaltungen vorbehalten. Besonders muss die Frage nach einer aktiven Rolle Berlins im Klima-Bündnis auf den künftigen Tagesordnungen der für Berlin politisch Verantwortlichen stehen.

Weitere Informationen und Dokumente und zukünftige Einladungen finden Sie auf der Seite des LAF Berlin e.V..  http://www.lateinamerikaforum-berlin.de/

Zu den Unterstützern der Veranstaltung gehörten außer LAF Berlin, Klima-Bündnis, Misereor, Forum Umwelt und Entwicklungl, noch Weltfriedensdienst, FDCL, Stiftung Umverteilen! Kooperation Brasilien und die braslilianische NGO Rio Terra.

Den Offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller finden Sie hier: 2018_11_01 offener Brief an den Senat zum Klimabündnis und Bericht_WW5

Ein Bericht von Peter Schrage-Aden

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Hier finden Sie zwei Interviews zur Thematik mit Werner Würtele, Präsident Lateinamerika-Forum Berlin:

http://www.schattenblick.de/infopool/umwelt/report/umri0285.html

https://www.jungewelt.de/artikel/342840.schon-jetzt-wird-auf-teufel-komm-raus-abgeholzt.html

Georg Kössler Die Grünen

Fair Trade in Charlottenburg

Ausstellung Klimagerechtigkeit Jetzt!

By | 2018-11-07T16:07:08+00:00 November 5th, 2018|Allgemein|0 Kommentare

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