Die Geschichte des Vereins 2017-10-27T19:17:58+00:00

Die Geschichte des Vereins

Das Lateinamerika-Forum Berlin / Foro de las Américas Berlín e.V. (LAF) wurde 1992 gegründet. Seit 1997 ist seine Gemeinnützigkeit anerkannt.

Lesen Sie hier Auszüge aus der Ansprache zum 20 jährigen Bestehen des LAF von PD Dr. Kerstin Störl, der damaligen Vizepräsidentin am 15.12.2012:Dr. K. Störl

„Unmittelbar nach dem Fall der Mauer fanden sich etwa 20 Männer und Frauen zusammen, die eine Lateinamerika gewidmete Institution gründen wollten. An­lass war das deutliche Nachlassen des Interesses Deutschlands an Lateinamerika zugunsten der Länder des „Ostblocks“, insbesondere aber der ehemaligen DDR. Die Entwicklungshilfe konzentrierte sich immer mehr auf Afrika. (…)

Zu dieser Zeit gab es neben dem Lateinamerika-Institut der FU Berlin und dem Ibero-Amerikanischen Institut/Preußischer Kulturbesitz mit seiner hervorragenden Bibliothek nur wenige Insti­tutionen, die sich um die Belange Lateinamerikas kümmerten

[1]. Die Botschaften und politischen Stiftungen kamen erst Jahre später in die deutsche Hauptstadt.“ (…)

Verabschiedung Präsident Helmut Palla JHV 2013

Verabschiedung Präsident Helmut Palla bei JHV 2013, re Prof. Dill (Foto: ©LAF Berlin e.V.)

„Nach vielen Sitzungen schloss sich der Kreis der Gründungsmitglieder, der sich vor allem aus Politikern, Hochschullehrern, Entwicklungs-Experten, Journalis­ten, Wirtschaftsfachleuten, Dolmetschern, Künstlern, Ministerialbeamten und Diplomaten aus beiden Teilen Berlins, aus Deutschland und Lateinamerika zu­sammensetzte. Allen gemeinsam war der Wunsch, das Verständnis der Prob­leme Lateinamerikas in Deutschland wach zu halten und zu intensivieren, indem der interkulturelle Dialog durch verschiedene Maßnahmen gefördert wird. Die Gründung dieses gemeinnützigen Vereins erfolgte am 8. 12. 1992 mit rund 50 Gründungsmitgliedern im Simon Bolivar-Saal im Ibero-Amerikanischen Insti­tut, die juristische Konsolidierung durch die offizielle Eintragung im Vereinsre­gister folgte im Jahre 1993.“(…)

„Aufgabe war es in erster Linie, das Interesse an Lateinamerika in Berlin zu för­dern und einen offenen Austausch über die Entwicklungen in der Region sowie über die Beziehungen zwischen Deutschland und Lateinamerika zu führen. Das Lateinamerika-Forum war immer ein Forum für Ideen, Informationen und Kon­takte, sowie ein Treff der Lateinamerikaner und Deutschen in Berlin.“

Pachamama_Kongress_1993

Pachamama_Kongress_1993

Kooperation. „Wichtig war dabei die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, dies ganz im Sinne der Zielsetzung, „das reiche Lateinamerika-Potential in Berlin zu nutzen und mit zu bündeln helfen“. Hervorzuheben ist vor allem die Zusammenarbeit mit den Botschaften der lateinamerikanischen Länder, die entweder ihre Räum­lichkeiten für unsere Aktivitäten zur Verfügung stellten oder selbst inhalt­lich mit beteiligt waren. Ein enger Kooperationspartner ist auch das Ibero-Ame­rikanische Institut, mit dem das Forum viele gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt hat. (Seit einigen Jahren bieten wir unsere Veranstaltungen – gegen eine von uns bezahlbare Miete – in den Räumlichkeiten von SEKIS an. Dass wir dies tun können, dafür sind wir SEKIS sehr dankbar).

Aktivitäten.Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Forums standen Vorträge, Diskussionen, Le­sungen, Exkursionen, Ausstellungen und Filmvorführungen sowie wissen­schaftlich-kulturelle Veranstaltungen, in denen unterschiedliche Themenberei­che beleuchtet wurden: von Kultur, Sprache und Literatur über Politik, Ge­schichte, Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft, bis hin zu Entwicklungszu­sammenarbeit und Umweltfragen. Dabei wurden nicht nur Informationen und positive Entwicklungen aufgezeigt, sondern auch kritische Analysen zu Gewalt und zu bestimmten politischen Systemen vorgenommen.

Unsere Referenten sind Mitglieder des Forums mit Expertise und / oder Profes­soren von Universitäten (Wissenschaftler) und Vertreter entwicklungspolitischer Institutionen, Initiativen und anderer Organisationen mit Lateinamerikabezug.“

Knappe Mittel. Vorbereitungen, Organisation und Bewerbung von Veranstaltungen erforderten stets einen erheblichen Arbeitseinsatz, bei äußerst knappen personellen und fi­nanziellen Ressourcen. Es ist den Vorständen des Lateinamerika-Forums stets gelungen, zahlreiche ausgewiesene Referenten zu gewinnen, die in der Regel aus Interesse an der Sache unentgeltlich zur Verfügung standen, und viele kom­petente Mitstreiter waren bereit, ihre freie Zeit einzusetzen.“

Kooperation mit Iberoamerikan. Institut

Gut besucht: LAF im Ibero-Amerikan. Institut

Konkurrenz wächst. „In der Gründungszeit des Lateinamerika-Forums Anfang der 90-iger Jahre be­fanden sich wie erwähnt nur wenige Botschaften, politischen Stiftungen, Län­dervereine und Freundeskreise in Berlin, die sich mit Lateinamerika beschäfti­gen. Diese Situation änderte sich drastisch in den letzten Jahren. Die mit Latein­amerika befassten Institutionen und politischen Vertretungen sind sehr zahlreich geworden, weshalb sich die Situation des Lateinamerika-Forums schwieriger gestaltete. Es gab viele Konkurrenz-Veranstaltungen, die oft gleichzeitig statt­fanden. Institutionen und Ländervereine entstanden, weshalb es notwendig war, sich abzugrenzen und die Identität neu zu definieren…“ (Zitatende)

Wir erkennen: das LAF weist in seiner nun 25 jährigen Geschichte gar manche Kontinuität auf. Um sich im entwicklungs- und kulturpolitischen Veranstaltungsbetrieb Berlins zu behaupten, mußte das LAF Anpassungsbereitschaft zeigen und sich den aktuellen Herausforderungen stellen. Die in der Regel hohe Zahl an Teilnehmenden unserer Veranstaltungen zeigt: es gelingt.

Eines aber ist grundsätzlich anders als früher: während uns lange Zeit die Frage umtrieb, wie könnte sich das LAF-Team verjüngen, so fragen wir uns heute:  wie gewinnen wir mehr engagierte ältere Kolleg/innen – mit Zeit – für die Mitarbeit?

[1] Anm.: Zu ergänzen wäre, dass es zu dieser Zeit gerade in Berlin eine breite Lateinamerika-Solidaritätsbewegung gab. Die Chile/Lateinamerika Nachrichten waren bereits 1973, das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) 1974 gegründet worden.

(2) Zu den Männern der ersten Stunde „gehörten Bernd Breuer (Deutsche Stiftung für internationale Entwicklung DSE), Oscar Weidert (Iberoamerikanische Vereinigung), Raban Freiherr von Mentzingen (Bundespres­seamt), dem späteren ersten Präsidenten des Lateinamerika-Forums, Prof. Dr. Dietrich Briesemeister (Leiter des Ibe­roamerikanischen Instituts), Prof. Dr. Manfred Nitsch (Latein­amerika-Institut der FU Berlin) und Prof. Dr. Hans-Otto Dill (für die lateinamerikanische Literaturwissenschaft). Hinzu kamen Journalisten wie Dr. Klicker vom RIAS, Senatsmitglie­der, Bundestagsabgeordnete und ehemalige Diplomaten mit La­teinamerikabe­zug.“

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Interview mit Raban Freiherr von Mentzingen (81),
Mitbegründer des Lateinamerika-Forums Berlin e.V. am 27.04.2016.

Es interviewte Werner Würtele

Raban Frhr. von Mentzingen

Foto©Würtele

Zur Person: Referent des Bundespressamtes, Presseattaché an der deutschen Botschaft (BRD) in Santiago de Chile 1973 – 1977 (Ankunft wenige Wochen vor dem Putsch). Zusammenarbeit mit amnesty international zur Rettung politisch Verfolgter.
Frhr. von Mentzingen war Präsident des LAF von 1992 bis 1998. Seit seiner Pensionierung lebt er mit seiner Frau Nelly in Portugal, von wo aus er unter anderem mit Gleichgesinnten derzeit Flüchtlingsprojekte in Nord-Syrien unterstützt.

Was motivierte Dich zur Gründung des LAF?
Zwischen dem LAI, Ibero-Amerikanischen Institut und dem FDCL/Lateinamerika Nachrichten erkannten wir eine „Marktlücke“ für eine Organisation mit Lateinamerika-Bezug, politisch nicht festgelegt, mit umfassendem vielseitigem Programm, das auch kulturelle Themen einbezog.

An welche Veranstaltungen der ersten Zeit erinnerst Du Dich besonders?
Wir hatten eine Reihe „Von Lateinamerika lernen“ in der wir z. B. Gäste aus Süd-Brasilien zu ihren Erfahrungen mit dem Partizipativen Bürgerhaushalt befragten. Ebenso zum Drogenanbau. Dazu liehen wir uns vom Botanischen Garten eine Coca-Pflanze aus. Die Polizei zählte jedes einzelne Blatt und siehe da, es fehlt bei der Rückgabe auch keines….

Ach ja und 1993 die denkwürdige dreitägige Veranstaltung namens Pachamama mit acht Vertretern indigener Völker aus Lateinamerika, Juristen, Ethnologen, Ökonomen, bei dem Du ja auch als Moderator und Dolmetscher mit gewirkt hast. (Der DED brachte damals die Redebeiträge in einer Broschüre heraus. Seither hat sich auf dem Gebiet der indigenen Rechte (s. Konvention der Vereinten Nationen) einiges getan.) Nicht zu vergessen: wir machten gemeinsame Exkursionen und organisierten Sommerfeste.

Welche Bedeutung hatten für das LAF damals Kooperationen?
Wir arbeiteten eng zusammen mit dem Ibero-amerikanischen Institut (Hr. Briesemeister), dem LAI, politischen Stiftungen und Botschaften, dem Auswärtigen Amt sowie mit meinem Arbeitgeber, dem Bundespressamt, über das wir zu verschiedenen Veranstaltungen Gäste aus Lateinamerika (s. Pachamama)  einladen konnten.

Emotionale Wiederbegegnung Schwester Karoline und Raban Frhr. v. Mentzingen

Hattet ihr damals ein Büro?
Nein, ich darf es gar nicht sagen: ich hab die LAF-Veranstaltungen oft von meinem Arbeitsplatz aus organisiert. Wir hatten auch regelmäßige Arbeitstreffen, Eurem Jour Fixe vergleichbar.

Möchtest Du etwas zu unserem derzeitigen Programm sagen?
Ich bin schwer von Eurem Programm (das mich in Portugal erreicht) beeindruckt, von der Anzahl der Veranstaltungen, genauso wie von der inhaltlichen Ausrichtung.

Ich versuche am 2. Juni 2016 an der Veranstaltung mit Schwester Karoline Meyer teilzunehmen, eine kämpferische Frau  der Theologie der Befreiung, die ich sehr schätze.

Was empfiehlst Du uns?
Ihr solltet mal was zum Thema Freihandel (TTIP, Transpazifische Partnerschaft) und Auswirkungen auf die verschiedenen lateinamerikanischen Länder machen.

Raban, ich danke für das Gespräch.

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Präsidiumsmitglieder. Präsident (P) und stv. Präsident (VP)

1992-1995
P. Raban Freiherr von Mentzingen / VP. Prof. Dr. Briesemeister
1996 – 1997
P. Raban Freiherr von Mentzingen / VP. Oscar Weidert
1998 – 2003
P. Oscar Weidert / VP. Hans-Otto Dill.
Oscar Weidert wird nach Ausscheiden zum Ehrenpräsident ernannt.
2004
P. Helmut Palla / VP. Karlfried Rentsch

2005
P. Helmut Palla / VP. Prof. Heiko Diestel

2006 Präsidium
Helmut Palla (Präsident)
Dr. Günter Zenk (stv.)
Dr. Maria Cecilia Añaños
Prof. Dr. Dieter Böning
Dora Düpper de Stürber
Raquel Sañudo Rebata

2011-2012
Helmut Palla (Präsident)
Dr. Günter Zenk (stv.)
Ute Handschuhmacher
Edit Kohlhase
Dora Düpper de Stürber
Sven Mehnert
Sven Dümlein

2012-2013
Helmut Palla (Präsident)
Dr. Kerstin Störl (stv.)
‚Edith Kohlhase
Gisela Caspers
Dr. Albert Caspers
Sven Dümlein
Sven Mehnert

2013-2014
Dr. Albert Caspers (Präsident, kurze Zeit))
Sven Dümlein (1. stv.)
Sven Mehnert (2. stv.)
Angela Almeida (kurze Zeit)
Gisela Caspers (kurze Zeit)
Ingrid Pelzer
Lutz Philip Hecker
Dr. Werner Würtele  (Nachrücker)

2014-2015
Dr. Werner Würtele (Präsident)
Lutz Philip Hecker (stv.)
Janina Tzieply
Lea Wegst
Ingrid Pelzer

2015-2016
Dr. Werner Würtele (Präsident)
Janina Tzieply (stv.)
Philipp Frese
Ingrid Pelzer
Maria Terrón
Ruth Keller
Nachrücker: Prof. Dr. Klaus Bodemer

2016-2017

Dr. Werner Würtele (Präsident)
Maria Terrón (stv.)
Prof. Dr. Klaus Bodemer
Philipp Frese
Ingrid Pelzer
Rejane Barreto-Schulze
Janina Tzieply

Ehrenpräsident seit 2013: Helmut Palla