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Bolivien hat sich vor zehn Jahren neu erfunden: 2009 stimmten 61 Prozent für eine neue Verfassung, mit der ein „plurinationaler Staat“ aus der Taufe gehoben werden sollte. Das Neue: die Verfassung knüpfte an Traditionen der Indigenen Völker an. Die seither vorherrschende neoliberale Wachstumsideologie sollte vom Prinzip des „Guten Lebens“ (buen vivir) abgelöst werden, die Natur wird als „Mutter Erde“ zu einem schützenswerten Gut und indigenen Gruppen wird das Recht auf Autonomie zugesprochen. Erklärtes Ziel war außerdem die Entpatriarchalisierung von Staat und Gesellschaft.

Die Voraussetzungen für die Verwirklichung dieser „Verfassungsutopie“ waren ideal: der indigene Gewerkschaftsführer Evo Morales konnte für die sozialistische Partei MAS bei den Präsidentschaftswahlen die absolute Mehrheit erringen und das Land politisch stabilisieren. Eine geschickte Wirtschaftspolitik verstand es, den Boom der fossilen Energieträger zu nutzen und brachte hohe Wachstumsraten. Auch dank zahlreicher Sozialinvestitionen entkamen Hunderttausende der extremen Armut, eine neue Mittelschicht entstand.

Doch wie weit ist die Regierung unter Morales mit dem Umbau des Staates tatsächlich gekommen? Von der Euphorie der ersten Jahre über die „demokratische Revolution“ ist heute wenig zu spüren. Evo Morales und sein Vizepräsident Álvaro García Linera bewerben sich am 20. Oktober 2019 zum vierten Mal um das Amt des Präsidenten, bzw. Vize-Präsidenten. Die Verfassung sieht eigentlich nur zwei Wahlperioden vor.

Eine Bilanz vor den Wahlen.

Es  diskutieren mit Ihnen: Dr. Moira Zuazo (Soziologin), Constantin Bittner (Misereor), Dr. Juliana Ströbele-Gregor (Politologin) Moderation: C. Gregor Barié

Eintritt frei. Spenden erwünscht. Einlass zwischen 18 Uhr 30 und 19 Uhr.
Bitte um
anmeldung@lateinamerikaforum-berlin.de

Ort: Bismarckstr. 101, 5. Etage bei SEKIS,  10625 Berlin, Eingang Weimarer Str.!
Verkehr:  U2 Deutsche Oper

Foto: Dirk Hoffmann

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Leitfragen zur Veranstaltung :

Mit welchem Anspruch ist die Regierung von Evo Morales angetreten?

  • Welche sozialen Innovationen und Partizipationsmöglichkeiten wurden durch die neue Verfassung eingeführt? Wie sieht die Umsetzung aus?
  • In wieweit wurde der Anspruch der Inklusion der indigenen Völker eingelöst?
  • Inwiefern wirkt sich die Repräsentanz von Frauen im Parlament positiv auf die Inhalte von Politik aus? Wie steht es um (junge) feministische Bewegungen?
  • Welche weiteren Reformkräfte beteiligen sich an der Umgestaltung?

Wie steht es um die Demokratie in Bolivien heute?

  • Welche Rolle spielt MAS als „Staatspartei“?
  • Wie nimmt eine junge Generation, die mit Evo Morales als Präsident groß geworden ist, den Veränderungsprozess („proceso de cambio“) wahr?
  • Wie werden gesellschaftliche Debatten geführt?

Welche politischen Alternativen gibt es?

Mit Unterstützung der „Bolivien Gruppe“: C. Gregor Barié, Ulrich Goedeking, Evelyn Hartig, Dirk Hoffmann, Moira Zuazo

Infos zu den ReferentInnen:

Constantin Bittner ist Geograph und Politikwissenschaftler und arbeitet seit 2018 beim katholischen Hilfswerk Misereor zum Thema sozio-ökologische Auswirkungen des Bergbaus in Lateinamerika und nachhaltige Entwicklung im Rohstoffsektor. Neben dem Thema „Alternativen zum Extraktivismus“ ist die Lithiumproduktion eines seiner Schwerpunktthemen. 2016 schrieb Constantin Bittner an der Studie „Entwicklungsalternativen in peruanischen Bergbauregionen“ des Seminars für ländliche Entwicklung (SLE) mit. Für das Berliner Kollektiv FairBindung engagiert er sich zum Thema sozial-ökologische Transformationen und Postwachstum.

Dr. Juliana Ströbele-Gregor studierte  Politologie und Pädagogik., war als Lehrerin tätig, studierte anschliessend Altamerikanistik und Ethnologie (Lateinamerika-Institut, FU-Berlin) und promovierte zur Missionierung der Evangelikalen Religionsgemeinschaften der Sieben-Tags- Adventisten bei Aymara-Bevölkerung in Bolivien.  Juliana war Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lateinamerika-Institut (FU Berlin). Sie übte Lehr- und Forschungstätigkeiten an den Universitäten Frankfurt, Costa Rica und Cuenca (Ecuador). LAI –FU Berlin, ZiF Uni. Bielefeld aus, mit Schwerpunkten Indigene Völker, Menschenrechte-indigene Rechte, Gender, zweisprachige interkulturelle Bildung, Extraktivismus. Als freie Gutachterin ist sie für die Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Indigene Völker, Zweisprachige interkulturelle Bildung aktiv. Frau Ströbele-Gregor ist Präsidiumsmitglied im LAF Berlin.

Dr. Moira Zuazo es Doctora en Ciencias Sociales por la Universidad de Constanza de Alemania, Magister en Ciencias Políticas y Politóloga por la Universidad Mayor de San Andrés de Bolivia. Ha dictado cursos y conferencias en la Universidad libre de Berlín, en la Universidad de Colonia, en el Instituto de estudios globales de Hamburgo GIGA, en la Universidad Católica del Perú PUCP y en diferentes congresos y conferencias mundiales. Actualmente realiza un estudio post doctoral en la Universidad libre de Berlin. Entre sus publicaciones más conocidas figuran: La reconfiguración del Estado en Bolivia publicado por la FES el año 2016, Descentralización y Democratización en Bolivia. La historia del Estado débil, la sociedad rebelde y el anhelo de democracia publicado por la FES el año 2012 y el libro ¿Cómo nació el MAS?. La ruralización de la política en Bolivia, publicado por la FES el año 2008.

 

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