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Zur Rolle fundamentalistisch-evangelikaler Kirchen im politischen Prozess Lateinamerikas
oder wie  Kirchen zu entscheidenden Machtfaktoren wurden

Die katholische Kirche verliert an Einfluss in Lateinamerika. Fundamentalistisch-kirchliche Strömungen sind auf dem Vormarsch – und machen Präsidenten.

Wie konnte dies geschehen,  wie fing alles an? Was charakterisiert diese Religionsgemeinschaften? Wen erreichen sie besonders? Mit welchen Mitteln arbeiten sie? Was macht ihre Stärke aus, warum der Zulauf? In welchen Ländern sind sie besonders stark?

Die fundamentalistisch-evangelikalen Kirchen stellen allmählich eine ideologische, ökonomische, politische und Medien-Macht mit Ausstrahlung weit über den lateinamerikanischen Kontext dar.

Wir laden ein zum Podium mit

Prof. Dr. Heinrich Schäfer, Theologe und Religionssoziologe, Universität Bielefeld

Dr. Juliana Ströbele-Gregor, Lateinamerika-Forum Berlin e.V.

Dr. Claudia Zilla, Stiftung Wissenschaft und Politik SWP

Moderation: Dr. Luiz Ramalho, Brasilieninitiative Berlin

Eintritt frei. Bitte um Anmeldung bis zum 20.3.2020 an
anmeldung@lateinamerikaforum-berlin.de

Ort: Brot für die Welt, Caroline-Michaelis-Straße 1, 10115 Berlin Mitte

Eine Kooperationsveranstaltung von Brot für die Welt und dem Lateinamerika-Forum Berlin e. V. im Rahmen der Lateinamerika-Karibik-Woche des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Beitragsfoto: Werner Würtele, Igreja Universal do Reino de Deus IURD, interior do Estado de Sao Paulo.

 

LaKaWo GIZ Brot für die WeltLAK_Woche

Details zur Veranstaltung

Zum Einführungsvortrag von Prof Dr. Heinrich Schäfer

Wenn man vom Einfluss der religiösen Rechten auf die Politik in Lateinamerika spricht, ist es sinnvoll, nach den politischen Voraussetzungen in verschiedenen Ländern zu fragen. In Mexiko beispielsweise ist der Einfluss von Religion auf die Politik generell sehr gering im lateinamerikanischen Vergleich, da eine laizistische Verfassung über lange Zeit streng durchgesetzt wurde. In Brasilien dagegen gibt es zwar eine laizistische Verfassung; aber kaum jemand kümmert sich um deren Durchsetzung. Damit gewinnen Faktoren wie der Zugang zu ökonomischem Kapital und Medien einen kaum zu kontrollierenden Einfluss – insbesondere wenn die religiös-politischen Botschaften mit Absolutheitsanspruch verknüpft eine starke manipulative Macht entfalten. Trotz allem gilt es zu differenzieren. Viele protestantische Gruppen, insbesondere an den „Grassroots“, engagieren sich politisch auf der Grundlage einer öffentlich diskutablen Ethik.

Zum Beitrag von Dr. Claudia Zilla

Religiöser Wandel und Politik in Lateinamerika: Seit den 1970er Jahren vollzieht sich in Lateinamerika ein religiöser Wandel: Der Anteil der Bevölkerung katholischen Glaubens geht stark zurück, der evangelikalen Glaubens nimmt rasant zu. Beide Entwick­lungen sind miteinander kausal verknüpft. Im Zuge dieser demographischen Transformation büßt die katholische Kirche ihre besondere Stellung in der Gesellschaft und ihren privilegierten Zugang zur Politik ein. An ihre Stelle tritt eine Großzahl vielfältiger und autonomer evangelikaler, vor allem pfingstkirchlicher und neo-pfingst­kirchlicher Kirchen. Dass die evangelikalen Kirchen ein so großes soziales Gewicht bekommen, hängt unter anderem mit ihrer Bedeutung als »Problemlöserinnen« in prekären Gesellschaftssektoren zusammen. Dieses Engagement dehnen die Glaubensgemeinschaften in wachsendem Maße auf den Bereich der Politik aus. In Brasilien kommt die Steigerung sozialer Relevanz und politischer Macht der evangelikalen Kirchen in besonders markanter Weise zum Vorschein: Seit dem 1. Januar 2019 führt mit Jair Messias Bolsonaro ein ehemaliger Militär die Regierungsgeschäfte, der sich von einem evangelikalen Pastor im Jordan taufen ließ.

Zum Beitrag von Dr. Juliana Ströbele-Gregor

In ihrem Beitrag wird Dr. Juliana Ströbele-Gregor das Spektrum „Evangelikale Religionsgemeinschaften und ihr Wirken in der Politik“ sich konzentrieren auf die fundamentalistisch – evangelikalen Siebenten Tags-Adventisten. Ihre Missionierung weltweit und in Lateinamerika hat eine lange Tradition. Insbesondere in den Andenländern Peru und Bolivien waren und sind sie sehr anerkannt nicht nur bei der indigenen Bevölkerung aufgrund ihrer sozialen Aktivitäten. Diese umfassen die Bereiche Bildung (Schulen, Internate und Universitäten); Gesundheitswesen sowie Entwicklungsprojekte. Ihrem fundamentalistischen Bibelverständnis samt der strengen Moralvorstellungen zufolge lehnen sie die offizielle Teilnahme in politischen Parteien strikt ab, stellen aber mittlerweile den Gläubigen frei, sich politisch zu engagieren. Über ihrer Bildungs- Entwicklungsarbeit erreichen sie zudem Einfluss auch auf Nicht-Adventisten.
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Eine höchst umstrittene Stellenbesetzung

Große Kritik hat jüngst die Berufung des Missionars und Anthropologen Ricardo Lopes Dias in die Leitung der Gesamtkoordination für die Belange der isolierten oder erst vor kurzem kontaktierten Indigenen (Coordenação Geral de Índios Isolados e de Recente Contato) innerhalb der FUNAI (Fundação Nacional do Índio – Nationale Stiftung der Indigenen) in Brasilien hervorgerufen.

Kirchen machen Präsidenten – und was machen sie, wenn sie ihr Ziel erreicht haben? Lesen Sie hier einen Offenen Brief zum Fall Lopes Dias  I Carta aberta de repúdio à nomeacao de Ricardo Lopes Dias e contra o PL191
und deutsch: I Offener Protestbrief gegen die Ernennung Ricardo Lopes Dias

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