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Wasserstress in Chile

IAI-Förderkreis, Heinrich-Böll-Stiftung und Lateinamerika-Forum Berlin e.V. laden Sie herzlich ein zu einer Präsenzveranstaltung im Ibero-Amerikanischen Institut SPK mit Live-Übertragung ins Internet. Die Veranstaltung nachsehen können Sie hier …

Seit Oktober 2019 rütteln Hundertausende ChilenInnen landauf landab an den Grundfesten des lange hochgelobten Modells Chile. Verlangt wird nichts weniger als die Abkehr von einer neoliberalen Marktwirtschaft, wie sie seit Pinochet ungebrochen alle Gesellschaftsbereiche beherrscht. Die Protestierenden fordern eine neue Verfassung, die dem Staat eine wichtigere Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft zuschreibt und die Interessen der Bevölkerungsmehrheit stärker berücksichtigt. Entprivatisiert werden soll das Bildungs- und Gesundheitssystem, das Rentensystem – und das Wasser, als Grundrecht, nicht Ware.

2019 waren wieder weite Teile der Welt von Trockenheit und Waldbränden heimgesucht. Der Wasserstress nimmt weltweit zu. Chile musste den Agrarnotstand wegen Dürre ausrufen. Die menschengemachte Erderwärmung spielte dabei eine Rolle, die verstärkte Nutzung fossiler Wasservorräte in der exportorientierten Forst- und Landwirtschaft, im Bergbau sowie im Tourismus. Der Grundwasserspiegel sinkt, Gletscher schmelzen, Trinkwasser wird knapp. Die Landwirtschaft verbraucht in Deutschland unter 25%, in Chile über 80% des Wasser-Gesamtverbrauchs.

Die Lage ist ernst und wird durch Corona verschärft. Was müsste geschehen, um Chile auf einen Weg der Nachhaltigkeit zu bringen, um die Ziele der Agenda 2030 und die des Pariser Klimaabkommens zu erreichen? Könnte dabei Chile gar zum Vorbild bei der Überwindung einer neoliberalen Wirtschaft werden?

Es diskutieren mit Ihnen über Ursachen und Folgen des Wasserstress in der Region

  • Dr. Ingrid Wehr, Heinrich-Böll-Stiftung, Büroleitung Santiago de Chile
  • Dr. Ingo Gentes, Internationaler Consultant, Berlin
  • Dr. Fernando Ruiz Peyré, Österr. Akademie für Wissenschaften, Innsbruck
  • Udo Bürk, Berater im internationalen (Bio) Fruchthandel seit 1995, Köln

Moderation: Peter B. Schumann (IAI-Förderkreis) und Dr. Werner Würtele (Lateinamerika-Forum Berlin)

Organisation und Technik: Ibero-Amerikanisches Institut.

Einführung. An Umweltgesetzen und -institutionen mangelt es in Chile nicht, allein gegenüber den Wirtschaftslobbys erweisen sie sich als zahnlose Tiger. Kritik wie die lokaler Organisationen oder der internationalen Presse an den ökologischen Auswirkungen der Avocado-Plantagenwirtschaft weist die Agroindustrie strikt von sich. Sie sieht sie als Angriff auf die „Institucionalidad“ Chiles. Lassen sich Avocados mit ähnlichem Produktionsumfang wie dem derzeitigen auch ökologisch produzieren? Welche ökonomischen Alternativen haben die chilenischen Bäuer*innen in den Tal-Oasen? Läßt sich die Zerstörung von Naturräumen und Biodiversität noch aufhalten?

Wasser-Fußabdruck und unsere Mit-Verantwortung. Was haben wir mit der Austrocknung des globalen Südens zu tun? Sehr viel, wenn man den „Wasser-Fußabdruck“ unserer Importprodukte anschaut. Mit dem Holz, Lithium und den Avocados usw. in die Industrieländer exportiert Chile Unmengen an Süßwasser, das der Bevölkerung zunehmend fehlt. Wir werden uns bei der Veranstaltung neben den Avocados das sog. Lithium-Dreieck Chile-Bolivien-Argentinien genauer anschauen, hängt von ihm doch wesentlich die Zukunft der globalen Elektromobilität ab. Welche ökologischen und sozialen Auswirkungen bei der Gewinnung zeigen sich bereits? Was hat die lokale Bevölkerung von dem Lithium-Boom?

Solche Fragen stellen sich zunehmend auch Abnehmer*innen des globalen Nordens, die ihre Mitverantwortung erkannt haben. Entwicklungs- und Umweltverbände sowie Kirchen pochen auf die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards in den Herkunftsländern. Die deutsche Regierung ist in der Frage Lieferketttengesetz gespalten. Wirtschaftsverbände lehnen ein solches ab. Warum? Reichen nicht Zertifizierungen?

Welche Hebel haben zivilgesellschaftliche Organisationen und Medien, welche der Einzelhandel? Sehr nervös reagierten die Avocado-Großproduzenten als vor drei Jahren dänische Supermarktketten den Aufkauf chilenischer Avocados stoppten.

Wie steht die Bio-Importwirtschaft zur Einführung des Lieferkettengesetzes? Wie zu verbindlichen Sozialnormen auf EU-Ebene?

Corona. Zu dem o.a. Katastrophenszenarium – manche sprechen schon vom „chilenischen Wasser-Krieg“ (DW 2.3.2020) – gesellt sich seit März  Corona, das die soziale Ungleichheit noch verschärft und die Armut von 40% Chilen*innen grell ans Tageslicht bringt.

Wird Chile adäquate Antworten auf die aktuellen politischen und ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen finden?

HINWEISE ZUR ANMELDUNG

Die Veranstaltung findet im IAI als Präsenzveranstaltung mit Live-Übertragung ins Internet statt. Aufgrund der aktuellen Bestimmungen zur Eindämmung der Pandemie ist die Anzahl der Plätze vor Ort beschränkt und eine vorherige Anmeldung zwingend erforderlich.

Bitte melden Sie sich für die Teilnahme – im Simón Bolivar Saal bzw. für die Live-Übertragung – über die Veranstaltungsseite des IAI SPK-Berlin an. 

Veranstaltung kann über Facebook geteilt werden: https://www.facebook.com/events/3279989852092536

Den flyer Wasserstress_Chile können Sie hier herunterladen.

Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann in ihrer ungekürzten Langfassung  auf You Tube nachverfolgt werden.

Fotos Werner Würtele: Ausgetrockneter Fluss, Valle de Petorca

Eine Gemeinschaftsveranstaltung von IAI-Förderkreis, Heinrich-Böll-Stiftung und Lateinamerika-Forum Berlin e.V.

Fotos Werner Würtele: Ausgetrockneter Fluss, Valle de Petorca

Secos -HBS- Kurzfilm zu den Avocados

LAF

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